Baumschutz oder Baumnutz in der Saalachau?

Gefällt wird nach Lust und Laune, kein alter Baum bleibt stehen – Fotos: Gerd Spranger

Aktuell scheint die Devise in Bad Reichenhall klar ein „Baumnutz“ zu sein, nämlich die Fällung alter und gesunder Bäume. Das jedenfalls kam klar in zwei Beiträgen der regionalen Zeitung zum Ausdruck. Eine Bürgervereinigung will jetzt den ausufernden Baumfällungen nicht mehr tatenlos zusehen. Es habe zwar Gespräche mit der Stadt, dem Forst und Wasserwirtschaftsamt gegeben, doch das Maß der Fällungen der letzten Wochen scheint jedes vernünftige Maß verloren zu haben. Geht es um den reinen Profit?

Das so genannte Eschensterben kommt da wie gerufen, es werden aber auch Fichten und Buchen gefällt. Bei den Eschen werden viele der alten gesunden Bäumen einfach vernichtet. Ein gutes, gesundes und hartes Holz mit noch besseren Preisen am Markt. Von einer Sicherungspflicht von Wegen und Straßen kann keine Rede sein, wenn weitab davon mitten im Wald gefällt wird. Und überhaupt: will man jetzt jeden alten Baum entlang einer Straße fällen? Wolfgang Bittner aus Bad Reichenhall fragt zu Recht: „Wie viele Menschen kommen in Deutschland im Jahr ums Leben, weil ihnen beim Spazierengehen oder Radeln ein Ast oder Baum auf dem Kopf fällt?“  

Ein Baum ist der beste Naturschutz

Dem entgegen stehe die „Ökobilanz‘ eines Baumes, der über 50 Jahre hinweg und länger die Natur und Umwelt mit Sauerstoff versorgt, Feinstaub und selbst Stickoxide aus der Luft nimmt. Selbst an steilen Bergstraßen setzt man heute lieber auf schwere und teure Stahlnetze, rodet dafür oberhalb der Straßen. „Doch ein Baum hält durch sein Wurzelwerk Steinschlag ab, nimmt Regenwasser auf, verhindert Muren- oder Lawinenabgänge“, argumentiert Wolfgang Bittner.

Wird wieder aufgeforstet?

Die Baumschutzgruppe in Bad Reichenhall um Christian Kessel hat beim Wasserwirtschaftsamt darum gebeten, die kahlen Stellen im Auwald an der Saalach wieder artgerecht zu bepflanzen. Vereinzelt zwei Holzpflöcke neben Jungtrieben zu setzen, dürfte als Maßnahme dazu nicht ausreichend sein. Aktuell scheinen die Saalachauen in Bad Reichenhall Begehrlichkeiten zu wecken. Vor Jahren wurde bereits entlang des alten Saalachdammes alte Baumbestände abgeholzt um für den Bau eines Hochwasserdammes den Weg zu bereiten. In Folge der Bauarbeiten wird das Fällen von Bäumen wohl weitergehen.

Sollte der im Stadtrat von Bad Reichenhall verlangte Prüfauftrag – mit 13 : 11 Stimmen durch eine CSU-Mehrheit* – letztlich in eine Realisierung des Bauprojektes münden, dann ist das das Ende für den Auwald und seiner Restbestände auf einer Länge von zwei bis drei Kilometern. Eine vierspurige Autoröhre soll in offener Bauweise direkt durch den Auwald und direkt entlang der Saalach eine neue Ortsumfahrung schaffen. Es bleibt zu befürchten, dass nach Abschluss der Maßnahme sich zusätzlich noch ein vier Meter hoher Erdwall entlang der Saalach zieht. Dafür gestimmt haben mehrheitlich „Die Grünen“ und mehrheitlich auch die CSU-Fraktion im Stadtrat. Die SPD und Bürgerliste stimmt dem Projekt zu, einzig die FWG stimmt geschlossen dagegen.

Spendet ein einziger Baum bereits täglich eine Unmenge an Lebensenergie, so ein ganzer Wald mit seinem Ökosystem erst recht. Dazu heißt es im Internet:

„Ein König bist Du, streckst Dich aus dem Licht entgegen. 100 Jahre und noch viel mehr, reicht Dein langes Leben.“ (gsp)

„Eine 150 jährige Buche zum Beispiel hat etwa 800.000 Blätter. Mit denen nimmt sie pro Tag bis zu 24 Kilogramm CO2 auf, so viel wie ein Kleinwagen im Durchschnitt auf 150 Kilometer in die Luft pustet. Außerdem filtert sie Schadstoffe aus der Luft: Bakterien, Pilzsporen und Staub. Sie produziert täglich rund 11.000 Liter Sauerstoff, das entspricht in etwa dem Tagesbedarf von 26 Menschen. Über ihre Blätter verdunstet sie täglich bis zu 500 Liter Wasser – das ist der Inhalt von etwa vier Badewannen.“

Link zur Quelle: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/baum-138.html

Ortsumfahrung Kirchholztunnel

Dabei gibt es in Bad Reichenhall seit über 40 Jahren eine echte Lösung der Verkehrsprobleme über eine Ortsumfahrung, nämlich durch einen Kirchholztunnel. Längst ist sie genehmigt und alle Fachleute und Experten sprechen sich seit Jahrzehnten für diese Lösung aus. Das Projekt ist zudem seit Dezember 2016 im vordringlichen Bedarf. Stattdessen riskiert die Stadt Bad Reichenhall – mehrheitlich der Stadtrat – dessen Ende und mutet den Bürgern und der Stadt weiter Verkehr, Lärm und Abgase zu. „Staatsbad gegen Erkrankungen der Atemwege“ ist dann wohl ein Titel, der seine Gültigkeit zunehmend verlieren dürfte. Lesen Sie mehr dazu unter: www.pro-reichenhall.de.

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